Die Erdbebenvorsorge in unserem Kanton war noch bis vor kurzem unzureichend – gemessen an dem Schadenspotenzial, das sich aus einem grösseren Erdbeben ergibt. Das liegt vor allem an der sehr geringen Wiederkehrperiode (≥ 30 Jahre) eines richtig wahrgenommenen Erdbebens, wie eines Bebens der Richterskala 5, im Vergleich zu anderen Naturgefahren, denen unser Kantonsgebiet ausgesetzt ist (≤ 20 Jahre für Überschwemmungen).
Die Erdbeben von Mexiko (1985) und von Kobé (1995) haben insbesondere die verstärkte Zerstörungswirkung bei Bauten auf instabilem Grund gezeigt. Man nennt dies gemeinhin Standorteffekt. Die Alpentäler zu denen auch das Rhonetal zählt (Profile) - sind mit Flussablagerungen aufgeschüttet, die auf einem mehr oder minder verengten "V"-förmigen felsigen Substrat liegen. Je grösser das Verhältnis Tiefe-Breite des "V"s ist, desto eher wird sich die Welle in der Struktur verfangen und auf diese Weise die Dauer des Erdstosses verlängern. Dieser durch die Form des Tals bedingte Standorteffekt überlagert sich mit dem Effekt des « lockeren Bodens » und ist sogar manchmal stärker, wie die elastischen Dimensionierungsspektren der Region von Brig-Visp (Bsp. Sektor Gamsen der Mikrozonierung von Brig) zeigen.